Routenbeschreibung Motorradreise "Westafrika 2001 / 2002"

Ab ins Grüne|Niger|Burkina Faso|Elfenbeinküste (Cote d´Ivoire)|Ghana|Endstation Regenwald|Reiseroute (Landkarte)|Reiseroute (Beschreibung)|Wieder zu Hause (Resümee)|Fotogalerie (124 Fotos)


Genua
Wieder einmal ging es Richtung Italien. Diesmal durch Schneegestöber. Die Straßen waren teilweise nur einspurig befahrbar. Mit einer Geschwindigkeit von unglaublichen 30 km/h kämpften wir uns Richtung Schweiz. Keiner wagte es auszusprechen, aber keiner glaubte an die rechtzeitige Ankunft in Genua. Die Erleichterung war groß, als wir in der Schweiz auf grüne Wiesen traffen, und das am 22.12.! Verkehrte Welt, aber uns sollte es Recht sein. Genua wir kommen!
Tunis
Auf der Fähre schlossen wir uns Björn aus Freiburg an, der wiederum hatte sich mit einem Italiener zusammen getan. Nachdem wir den unglaublich konfusen Grenzübertritt (5 Std.) hinter uns gebracht hatten, übernachteten wir zusammen in dem wohl billigsten Hotel in Tunis.
El Qued Am nächsten Morgen fuhren wir Richtung algerischen Grenze, wo wir von Regen in Kassarine festgehalten wurden. Die Straßen sind bei Nässe, für Motorräder mit Crossbereifung, nur im Schrittempo befahrbar. Daher bauten wir unser Lager abseits der Straße auf und wurden von der Gastfreundlichkeit der Tunesier überrascht. Wir bekamen Frühstück, Mittagessen, Abendessen und Unterhaltung geboten. Irgendwann mußten wir aber weiter und verabschiedeten uns in Touzeur bei einem Kaffee von Björn, der kein Visum für Algerien hatte. Nach einem problemlosen Grenzübertritt schlugen wir unser Zelt unweit von der Stelle, die wir vor 7 Jahren auf unserer ersten Afrikareise wählten, auf.
Bordj Omar Driss Über die endlose, kerzengerade Asphaltstraße gings über Hassi Messaud Richtung Gräberpiste, die wir nun endlich "abhacken" wollten (1995 mussten wir ja nach zahlreichen Stürzen aufgeben, siehe Reisebericht Algerien 1995). Ausgerüstet mit GPS und der Erfahrung von zwei Saharareisen sollten diesmal keine Probleme auftauchen. Leider mussten wir feststellen, dass das algerische Militär die Durchfahrt verbot. Dennoch glaubten wir die Kontrollstellen umfahren zu können und sind querfeldein gefahren. Als uns dann Jeeps auch Bochum(!) entgegenkamen und uns erzählten, daß Sie vom Militär, obwohl sie Nachts fuhren, abgefangen wurden, mussten wir zum zweiten Mal das Vorhaben "Gräberpiste" abbrechen.
Illizi Wieder einmal ging es über die Asphaltstraße nach Illizi, mit dem Unterschied zu unser Reise im Sandsturm 1995, dass wir diesmal die Umgebung sahen: Trostlose Ebenen aus Kies und Sand sowie einzelne Dünenfelder. Übernachtet haben wir außerhalb des schrecklichen Ortes Ohanet, der ausschließlich zur Erdölförderung gegründet wurde. Hier durchlebten wir die kälteste Nacht auf dieser Reise. Unsere Wasservorräte waren am Morgen gut gefroren. In Illizi übernachteten wir in einem durchaus komfortablen Hotel um uns moralisch auf das folgende Wellblech vorzubereiten.
Djanet Vor sieben Jahren wurden die ersten zehn Kilometer der Strecke zum Asphaltieren vorbereitet, dennoch waren wir mehr entsetzt als überrascht, dass die komplette Strecke geteert war. Wir waren zwar froh dem Wellblech entgangen zu sein, dennoch hat die Reise nach Djanet erheblich seinen Reiz verloren. Die grandiose Landschaft und ein Offroadabstecher nach Iherir, zu den berühmten Gueltas, hielten unsere Enttäuschung auf erträglichen Maß. In Djanet hatte sich nicht viel geändert. Immer noch eine wunderschöne Oase inmitten von dunklem Vulkanbergen.
Hoggar-Südumfahrung In Djanet beschlossen wir mit Hilfe des GPS, nicht den üblichen Weg nach Tamanrasset, sondern den über Schmugglerpisten nach Tam zu fahren. Hierzu benötigten wir aber exakte Karten, welche wir leider nicht hatten, da wir diese Route nicht eingeplant hatten. Nachdem die Piste nach Djanet asphaltiert und die Gräberpiste uns schon wieder verwehrt blieb, waren wir heiss auf ein richtiges Offroad- Abenteuer. Da uns die einsame Strecke über 800 km alleine zu riskant vorkam, waren wir froh, in Djanet zwei Allgäuer getroffen zu haben, die Karten, aber kein GPS hatten - wir ergänzten uns also hervorragend! In nur drei Tagen meisterten wir die Strecke, trotz mehrmaligen Platten und eines Kettenrisses. Es war eine der imposantesten Routen, die wir je gefahren sind. Mit 55 Liter Sprit und voller Beladung galt es als erstes den Erg Admer zu bezwingen, dessen größte Hürde eine 100m hohe, extrem langezogene Dünenauffahrt war. Ein Martyrium für die Maschinen. Danach folgenten Reg-Ebenen soweit das Auge reicht. Anschließend wurde es felsig mit stark verspurten Weichsandfeldern. Wir hatten auch das seltene Glück einen Blick auf die kleinen Wüstengazellen zu erhaschen. Das Hoggargebirge beglückte uns mit alpinen Pässen. Eine Route die man gefahren sein muss, um zu wissen, was die Wüste zu bieten hat.
Tamanrasset Tam ist im Vergleich zu anderen Wüstenstädten direkt überlaufen mit Touristen. Franzosen lassen sich direkt von Paris einfliegen und feiern hier Silvester. Singen militärisches Liedgut, an kolonialen Lagerfeuern. Was glauben die eigentlich wo die sind? Dennoch ließen wir uns die Stimmung nicht verderben und genossen die Melanchonie, welche dieser Ort ausstrahlt. Hier trennten wir uns von unseren Weggefährten, die in Algerien blieben, während wir Richtung Niger wollten.
In Guezzam Nach einer stürmischen Nacht fuhren wir im Sandsturm bei Sichtweiten um die 50 m Richtung Süden nach In Guezzam. Diesen Grenzort auf algerischer Seite nützen wir zum Tanken und um Luft zu schnappen nach der nicht so spaßigen Fahrt durch Tiefsand, Fesch-Fesch vorbei an Auto- und Omnibuswracks!. Immer wieder sandeten wir in den Spurillen zwischen den Felsvorsprüngen ein. Die Grenzer waren mehr an den PS-Werten als an unseren Unterlagen interessiert. Nach nur einer Stunde Smalltalk konnten wir weiter Richttung "Schwarzafrika" fahren.
Assamaka Was zum Teufel ist das? Eine Wellblechbude, ein paar Zelte und vier Lehmhütten. Das sollte die Grenzstadt zwischen Algerien und Niger sein? War es wohl, da uns einige Schlepper erzählen, sie seien die Polizei, und deshalb wollten sie unsere Pässe sehen. Gott sei Dank gaben wir diese nicht aus der Hand. Dennoch wurde uns von den Zöllner unter unserem Protest 240,- französische France abgeluchst, als sogenannte Touristensteuer. Später ärgerten wir uns darüber, aber in dem Moment waren wir froh aus diesem Ort zu kommen, und andere haben dort schon wesentlich mehr Geld lassen müssen!
Arlit Die Piste nach Arlit war die reinste Autobahn, mit bis zu 120 km/h schwebten wir über die endlosen, leicht hügeligen Reg-Ebenen. Vor Arlit wurde es etwas flacher und sandig. Die Landschaft war von einzelnen Tamarisken besetzt. Die Einfahrt in den Ort Arlit war etwas beängstigend, wurde aber auch nicht besser, als wir in den Ort vordrangen. Es begrüßten uns zuerst Müllberge, dann Slums und, ja und dann, was dann? Luxus-Slums? Ein gottverlassener Ort, Anfang der 70er geschaffen für die Arbeiter, die in der naheliegenden Fabrik Uran gewinnen. Wenn man sich die Leute anschaut, wird man wohl zu dem Schluss kommen, daß Uran nicht unbedingt die Gesundheit fördert. Wir übernachteten trotzdem, in einem stinkenden Loch, holten uns am nächsten Tag die nötigen (oder unnötigen) Stempel, und waren nach dem tanken weg.
Agadez Agadez, dieser Name klingt schon nach 1000 und einer Nacht. Wir sind mit einer gewissen Vorstellung in diese Stadt gefahren, voller Wüstenromantik und wir wurden enttäuscht. Es gab Wüste, aber keine Romantik. Wenn man allerdings ohne konkrete Vorstellungen in die Stadt kommt, wird man angenehme Eindrücke einfangen können. Der Ort hat seinen Reiz und seine besonderen Plätze. Es gilt diese zu finden, denn außer der Moschee gibt es offiziell eigentlich nichts besonders sehenswertes. Bekommt man aber durch Zufall Einblicke in Welt der Lehmbauten, dann kommt tatsächlich die Oasenstimmung auf, die man sucht. Wir lernten hier den deutschen Medizinstudenten Thilo kennen, der wegen einem defekten Motorrad in Agadez fest saß. Er vermittelte uns Suleyman als Guide für einen Ausflug ins Airgebirge.
Timia / Air-Gebirge Ausnahmsweise ging es mit dem Geländewagen weiter, da wir und unsere Maschinen eine Verschnaufpause benötigten und unser Führer sowieso mit dem Auto fahren musste. Über verwinkelte Wege, durch Täler, über Berge und sandige Wadis ging es nur langsam voran. Hin und wieder erreichten wir kleine Ortschaften in denen Suleyman bekannt ist und so hatten wir Gelegenheit, als Außenstehende einen Einblick in die Dorfgemeinschaft zu erhalten. In der drei Tage dauernde Fahrt wurden wir von Morgens bis Abends bekocht. Von Ziege über Mufflon bis Käse wurden wir mit allem versorgt, was die Gegend um das Air-Gebirge zu bieten hat. Höhepunkt des Ausflugs war Timia, eine Oase wie aus dem Bilderbuch. Hier wachsen neben Datteln auch Orangen, Granatäpfel, Trauben, Grapefruits und vieles mehr. Ein herrliches Stück Erde. Man wird von den Einheimischen durch die Gärten geführt und kommt aus dem staunen nicht mehr heraus. Der Abstecher hat sich mehr als gelohnt.
Niamey Zurück in Agadez machten wir uns auf dem Weg in die Hauptstadt von Niger. Die Landschaft mutete toskanisch an, jedenfalls das, was wir im Harmadan, dem typischen Staubwind der Sahelzone, der die Umgebung in ein diffuses Licht taucht, erkennen konnten. An der nigerianischen Grenze beschlossen wir zu übernachten, da eine Weiterfahrt in der Dunkelheit auf den schlechten und relativ stark befahrenen Asphaltstrecken ohne einen Unfall kaum möglich schien. Niamey ist eine schmutzige 3 Millionen Stadt in der die einzige Attraktion der Grand Marche, der große Markt, ist. Wir konnten kostenlos in dem Haus von Suleyman, dem Guide aus Agadez, übernachten, sein Angestellter nahm uns dort sehr freundlich auf. Durch verdorbenes Essen hatten wir uns ordentlich den Magen verstimmt und haben insgesamt 5 Tage gerastet, bis wir wieder weiterfahren konnten.
Parc National du "W" Von Niamey aus machten wir einen zwei Tage dauernden Ausflug in einen länderübergreifenden Nationalpark. Nach langen Diskussionen gelang es uns zusammen mit einem belgischen Pärchen (natürlich die einzigen Touristen) und einem Geländewagen mit zwei Führern in den Park zu fahren. Die Befahrung mit Motorrädern war leider verboten. Durch das dichte Buschwerk hatten wir Wasserbüffel, einen Elefanten, ein paar Gazellen, Termitenhügel und einige Vögel entdeckt. Das Nachtlager in vorbereiteten Zelten lag direkt am Ufer des Niger, und es gab sogar Bier.
Burkina Faso Nach einem schnellen Grenzübertritt waren wir nun in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder Afrikas. Über zum Teil nagelneue Straßen kammen wir gut voran. Wir lernten eine deutsche Botschafterin kennen, die uns mit anderen hier arbeitenden Europäern bekannt macht und uns über Land und Leute informiert. Wir bekommen noch ein paar Tipps und fahren dann Richtung Westen nach Banfora um dort den so genannten "Flusspferdeteich" und dir dortigen Wasserfälle zu besichtigen. Bei einem anderem Nationalpark versuchten wir mit den Motorrädern nach Tieren zu suchen. Leider sahen wir nur Spuren der Tiere und das Dickicht wurde so stark, dass selbst mit dem Motorrad kein weiterkommen mehr gewährleistet war. Anschließend fuhren wir an einem stark frequentierten Grenzübergang in die Elfenbeinküste ein. Der Grenzposten war als solcher nicht zu erkennen, er war in einem Hinterhof beim "Rumhängen" anzutreffen. Unsere Stempel erhielten wir erst, nachdem der Grenzer das Stempelkissen mit Kaffee auffüllte. Sogar unsere Impfpässe wurden hier kontrolliert, allerdings hielt der "Arzt" den Pass bei der Durchsicht verkehrt herum (auf dem Kopf!), nickte uns jedoch wohlwohlend zu. Was will man mehr!
Yamoussoukro Kurz nach der Grenze übernachteten wir auf einem geernteten Baumwollfeld. Mit der untergehenden Sonne kamen die Moskitos und begannen uns "aufzufressen". Die letzte Rettung war das Zelt. Hier wurden wir anschließend von der Musik eines naheliegenden Dorfes in den Schlaf gewiegt. Am nächsten Tag fuhren wir weiter Richtung Süden und hatten das ein oder andere Mal Angst um unsere Maschinen und zwar immer dann, wenn wir wieder in ein Schlagloch mit der Tiefe von zwei Stufen stürzten. Auch die Menschen hatten sich mit dem Land geändert. Wenn man nun in einem Dorf hielt, waren in spätestens 5 Minuten alle da! Je nach Größe der Ortschaft eine ganze Menge. Die Landschaft begann nun grüner zu werden, dass trockene Gebüsch der Trockensavanne wurde von kleinen Wäldern der Feuchtsavanne abgelöst. Am späten Nachmittag erreichten wir die Hauptstadt der Cote d´Ivore, Yamoussoukro. Wir besichtigten die Sehenswürdigkeiten (z.B. den versuchten Nachbau des römischen Petersdoms). Die Hauptstraßen der Stadt waren wie Autobahnen ausgebaut. Nach einem gutem, aber, wie sich später herausstellte, nicht ganz astreinen Abendessen, fuhren wir trotz einbrechender Dunkelheit Richtung Küste.
Abidjan Die Straßen waren nun besser und wir konnten es wagen, auch in der Dunkelheit zu fahren. Leider sahen wir nichts von der Umgebung, aber wir wollten an diesem Tag unbedingt noch ans Meer. Bei einer Pause bemerkten wir schlagartig, dass wir in den Tropen sind: Links und Rechts der Straße tropische Wälder, 90 % Luftfeuchtigkeit, konstante Temperatur und das Schreien der Affen!. Als wir spät nachts in Abidjan ankamen, suchten wir eine Unterkunft, und fanden diese im Rotlichtviertel der Stadt. Das Zimmer hatte zumindest eine Klimaanlage, welche uns das ungewohnte Klime ertragen ließ. Die modernen Hochhäuser der Banken wirkten etwas deplatziert im Vergleich zu der Armut der restlichen Elfenbeinküste. Die meiste Zeit verbrachten wir im Hotel um uns zu erholen und zu aklimatisieren.
San Pedro Wir brachen nach ein paar Tagen entlang der Küste Richtung Westen auf. Abgeholzte Wälder, Bananen-, Palmölplantagen, kleine Bäche, große Flüße und Dörfer am Waldrand begegneten uns. Vom Meer war durch den Wald nicht viel zu sehen. Unser Ziel, San Pedro, ist eine Kleinstadt im desolaten Zustand. Man konnte zwar den ehemaligen Wohlstand durch Tropenholzhandel erahnen, diese Zeiten waren jedoch schon seit langem vergangen. So gab es auch das Büro eines deutschen Entwicklungshelfers, der Trekkingtouren zu Schimpansenkolonien vermittelt sollte, nicht mehr. Zelten konnten wir im Garten eines sich hier niedergelassenen Franzosen, das Gelände lag direkt am Meer, und der Strand und das Wasser waren phenomenal. Drei Tage genossen wir es, einen Küstenstreifen, abgesehen von wenigen Einheimischen, für uns zu haben. Wir gewöhnten uns langsam an das feucht-warme Klima, und der weiße Sandstrand mit seinen schattenspendenden Palmen und der Atlantik mit angenehmen 27°C luden und natürlich zum verweilen ein.
Grand Bassam Nach drei Tagen waren wir das Lotterleben dennoch satt und "cruisten" nun in Richtung Osten nach Grand Bassam, einem Touristenort, in welchem die ca. 25.000 in Abidjan lebenden Europäer ihre Wochenenden verbringen. Ein Badeort wie er ähnlich auch in Italien sein könnte. Unser Appartment allerdings entspricht nicht unseren Vorstellungen und so quartieren wir uns mitten in der Nacht aus, um im Zelt zu schlafen. Die letzten central-afrikanischen France hauen wir hier auf den Kopf, denn wir wollen nun nach Ghana und dort ist das Geld nichts mehr Wert.
Cape Coast An der Grenze wurde Georg wie ein alter Freund begrüßt: Händeschütteln mit Soldaten, Umarmungen und freundliche Dialoge ließen uns erstaunt den Kopf schütteln. Der ghanaische Grenzübertritt lief leider anders ab. Unsere Papiere wurden zum ersten Mal in Schwarzafrika ernsthaft geprüft, die Reihenfolge der Stempelorgie musste strikt eingehalten werden, man stellte sich nicht irgendwie an, sondern richtig "britisch" in geordneten Reihen. Man spürte deutlich, dass es sich um eine ehemalige englische Kolonie handelt. Die Bevölkerung war sehr nett, aufgeschlossen und irgendwie westlicher. Cape Coast ist eine kleine Kolonialstadt mit einer Festung und einem wirklich empfehlenswerten Museum zur Thematik Sklavenhandel. Ein schönes Städtchen. Unsere Unterkunft war nicht billig, brauchte dafür aber keinen Vergleich mit anderen Bungalows auf der Welt zu scheuen. In der Anlage befand sich auch ein kleiner See mit Krokodilen und brütenden Webervögeln.
Kakum National Park Von hier machten wir einen Abstecher zum Kakum Nationalpark, und mit einem Guide ging es in den Dschungel. Zuerst am Boden, dann über Hängebrücken in den Wipfeln der Bäume. Zum Teil ging es 40 m über den Boden von Baumkrone zu Baumkrone. Man hatte einen atemberaubenden Ausblick über den Regenwald, hörte unzählige Affen und Vögel schreien, in dem Dickicht war aber leider keines der vielen Tiere zu sehen. Nur wenig Sonnenlicht erreicht die Erde. Der Führer erzählte ausführlich über die Besonderheiten der einzelnen Bäume und Tiere. Ein echtes Erlebnis.
Kumasi Wir stießen nun in das Landesinnere von Ghana vor, die einigermaßen gut befahrbaren Straßen führten durch Sekundärwald, kleinere Flüsse überquerten wir über einspurige Brücken. Wir erreichten in wenigen Stunden die Stadt der Ashanti:Kumasi. Am Rande der Stadt standen holzverarbeitenede Fabriken, dort werden die Urwaldriesen für den Handel aufbereitet. Der Ort ist in eine hügelige Landschaft gebaut, deshalb ging es stetig bergauf oder bergab. Kumasi selbst war im Kern der Stadt ein riesiges immerwährendes Chaos. Außer am Markt war allerdings bei Einbruch der Dunkelheit tote Hose. Die Leute hier schienen immer fröhlich zu sein und man wurde von dieser Atmosphäre angesteckt.
Akosombo Staudamm Bei unserem Weg nach Akasombo fuhren wir zuerst auf der Straße in die Hauptstadt, wo ungezählte Holzlaster in den dortigen Hafen wollten. Bald zweigten wir aber Richtung Staudamm ab und es ging vorbei an Plantagen, wieder neu entstehenden Wäldern und abgeschiedenen Dörfern Richtung Voltasee. Für die Besichtigung des Dammes brauchte man eine Genehmigung und einen Führer, hauptsächlich aus dem Grund, weil der befahrbare Damm die einzigste Zufahrt zum Wohnsitz des Präsidenten ist und deshalb sich niemand unbeaufsichtigt dort aufhalten sollte. Allerdings musste der Guide bei uns mit fahren und auf einem Motorrad wollte er nicht. Also keine Genehmigung. Zwei Einheimische bemerken unsere Enttäuschung, und da diese auch den Stolz der Nation zu begutachten wollten, gingen wir die Sache gemeinsam an. Das durchaus beieindruckende Bauwerk aus den 70gern war aber sanierungsbedürftig, von den 6 Turbinen lieferten nur noch 2 Strom. Vom dem riesigen See war durch die Staubwinde und aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit nicht mehr als 100 m zu sehen, bevor der Dunst zu dicht wurde.
Accra Am selben Tag erreichten wir noch Accra, die Hauptstadt von Ghana und das Ziel unserer Reise. Wir stiegen in einer, wie sich bald heraus stellte, "Alkoholhöhle" ab. So gegen 17.00 Uhr liegen die Gäste und der Hotelbesitzer im Innenhof auf Autos, Tischen oder einfach am Boden herum um ihren Rausch auszuschlafen. Unsere erste Vermutung, daß es halt ein Fest war, bestätigte sich nicht, Dieser Vorgang war ein tägliches Ritual. Sehenswürdigkeiten gibt es in Accra genauso wenig wie Banken in denen es möglich ist, $-Travellerchecks zu wechseln. Diese Dollars benötigten wir aber, um unsere Flugtickets bezahlen zu können. Nach langen hin und her konnte Georg sein Ticket dann in der Landeswährung Cedis zahlen (wobei dies bei verlangten 750 US-$ über 7 Millionen Cedis, einer großen Plastiktüte voll Geldscheinen, entsprach!). Thomas bezahlte mit Kreditkarte. Wir gaben unsere Motorräder und das gesamte Gepäck bei einer Spedition ab, die sich dann um den Kistenbau sowie die Verschiffung kümmerte. Die letzten Tage vor de Rückflug verbrachten wir am Strand, wo wir mit frischen Mangos, Annanas oder sonstigen hier wachsenden Obst unseren Hunger stillten. Mit dem letzten Geld kauften wir noch ein paar Holzfiguren und bezahlten das Taxi zum Flughafen. Mit den Ankunft des Fliegers in München war dann auch diese Reise zu Ende, unser bisher längster Abenteuerurlaub in Afrika. Aber wahrscheinlich nicht der letzte!

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