Endstation Regenwald

Der tropische Regenwald zeichnet sich durch eine ganzjährige oder nur durch Laubfall während kurzer Trockenperioden unterbrochene dichte, immergrüne Waldvegetation aus.
Am Boden beträgt die Lichtmenge nur noch etwa 1 Prozent oder noch weniger der an der Oberfläche eingestrahlten Menge.
Der vorwiegende Teil der tropischen Regenwälder der Erde liegt in einem Gebiet zwischen etwa 10 Grad nördlicher und südlicher Breite.
Das ökologische Gleichgewicht ist auf den entwaldeten Flächen nachhaltig geschädigt.
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(Nachfolgende Informationen Auszüge aus: Microsoft® Encarta®©)
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Der Regenwald |Verbreitung des tropischen Regenwaldes|Der Einfluss des Menschen
 
Der Regenwald

Regenwald, überwiegend immergrüner Wald der tropischen Zone der Erde; Abwandlungen des Regenwaldes finden sich auch in den Subtropen und in den gemäßigten Klimazonen.

Der Begriff tropischer Regenwald wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem bekannten deutschen Pflanzengeographen Alfred Schimper geprägt. Der tropische Regenwald zeichnet sich durch eine ganzjährige oder nur durch Laubfall während kurzer Trockenperioden unterbrochene dichte, immergrüne Waldvegetation aus. Er verfügt über ein meist geschlossenes Kronendach in 40 bis 50 Meter Höhe über dem Boden. Einzelne Baumriesen ragen teilweise noch über das obere Kronendach hinaus. Dies sind oft beeindruckende Bäume wie der Kapokbaum Südamerikas, dessen waagerechte Äste 30 bis 40 Meter in die Breite reichen. Tropische Regenwälder sind gewöhnlich aus drei bis fünf Schichten (Baumstockwerken) aufgebaut. Das obere Stockwerk wird von den bis zum Kronendach reichenden Bäumen einschließlich der darüber hinausragenden Baumriesen gebildet. Darunter befindet sich ein strukturloses mittleres Stockwerk (mittlere Baumschicht) aus kleineren Bäumen mit etwa 20 bis 30 Metern Höhe. Das unterste Stockwerk (untere Baumschicht) liegt in zehn bis 15 Metern Höhe und umfasst neben Sträuchern vorwiegend junge Exemplare (Schößlinge) der umstehenden Baumarten, die im Altersstadium den höheren Schichten angehören. Zwischen diesen drei Hauptschichten können jeweils noch Zwischenschichten existieren. Eine bodennahe Krautschicht, wie sie für die Wälder der gemäßigten Zone typisch ist, ist in den tropischen Regenwäldern nur spärlich ausgebildet, da aufgrund des Lichtmangels am Boden kaum Pflanzenwuchs möglich ist. Das Licht wird in den darüberliegenden Baumschichten fast völlig absorbiert, am Boden beträgt die Lichtmenge nur noch etwa 1 Prozent oder noch weniger der an der Oberfläche eingestrahlten Menge. Typisch sind außerdem das häufige Auftreten bestimmter Wuchsformen, wie z. B. der Lianen – kräftiger Schlingpflanzen, die zwar im Boden wurzeln, deren Kronen sich jedoch häufig im oberen Stockwerk befinden – und der Epiphyten oder „Aufsitzerpflanzen”. Darunter versteht man Pflanzen, die zum Zwecke der besseren Lichtausnutzung auf eigenes Wurzelwerk im Boden großenteils verzichten und stattdessen mit Hilfe spezieller Haftorgane auf Stämmen, Ästen und Zweigen der oberen Stockwerke aufsitzen; ein Großteil der tropischen Orchideen und Bromelien gehört beispielsweise dazu.

Der Begriff „Dschungel” für indische bzw. asiatische Regenwälder wurde von dem Hindi-Wort jangal abgeleitet, das einen wilden, rauen Ort ohne Wasser bezeichnet. Der deutsche Begriff beinhaltet allerdings eher die Bedeutung einer dichten, undurchdringlichen Regenwaldvegetation. Selbst in diesem Sinn sind die meisten Regenwälder keine Dschungel, obwohl diese landläufige Vorstellung immer noch weit verbreitet ist. Vielmehr ist ein typischer Regenwald selten so dicht bewachsen, dass man nicht – zumindest mit Hilfe einer Machete – hindurchgehen könnte. Sehr dicht und häufig tatsächlich fast undurchdringlich sind dagegen die Ränder dieser Wälder, sei es entlang von Flussläufen, an Lichtungen oder an Kahlschlägen.

Verbreitung des tropischen Regenwaldes

Tropische Regenwälder gedeihen in Äquatornähe, wo die Temperatur das ganze Jahr etwa 27 °C beträgt.

Der vorwiegende Teil der tropischen Regenwälder der Erde liegt in einem Gebiet zwischen etwa 10 Grad nördlicher und südlicher Breite. Die größten noch intakten Bestände befinden sich im Amazonasbecken, in Südostasien und im Kongobecken in Afrika. Die tropischen Regenwälder umfassen den Großteil der Biodiversität (Artenvielfalt) unseres Planeten, obwohl ihr Flächenanteil nur etwa 6 Prozent der Erdoberfläche beträgt. Dort leben neben vielen höheren Tierarten und Pflanzen wahrscheinlich Millionen von Insektenarten sowie zahllose andere Kleintiere, Pilze oder sonstige Lebewesen, die häufig noch nicht einmal wissenschaftlich dokumentiert, aufgrund der hohen Rodungsrate jedoch schon vom Aussterben bedroht sind.

Der Einfluss des Menschen

Eine Vielzahl natürlicher und vom Menschen ausgelöster Faktoren beeinflusst die Regenwälder. Dabei haben natürliche Faktoren wie Wirbelstürme, Waldbrände, Krankheiten, Erdrutsche gegenüber der vom Menschen betriebenen Abholzung durch Holzfällen, Straßenbau, Bergbau und groß angelegte Rodungen zur Gewinnung von Weideland und Plantagen für landwirtschaftliche Nutzpflanzen einen eher geringen Einfluss. Die im (und vom) Regenwald lebenden Völker praktizieren einen Brandrodungsfeldbau (englisch shifting cultivation oder slash-and-burn cultivation), bei dem jeweils nur relativ kleine Flächen gerodet werden, die zudem von einigen größeren Bäumen ständig beschattet bleiben und damit vor Bodenerosion geschützt sind. Wenn die Nährstoffe des Bodens nach zwei bis drei Jahren Anbau ausgelaugt sind, wird das Feld aufgegeben und ein neues in der Umgebung gerodet. Da die Felder immer klein sind, werden sie schnell wieder vom umstehenden Wald überwuchert und teilweise selbst von Wissenschaftlern nach wenigen Jahren nicht mehr als ehemalige Kulturflächen wiedererkannt. Erst nach durchschnittlich fünf bis zehn Jahren schließt sich der Kreis, und die Bewohner roden erneut das Feld – oder ein dicht daneben gelegenes – des ersten Jahres. Das Gegenteil einer solchen nachhaltigen Nutzung sind die heutigen Rodungen im großen Maßstab, die man seit längerer Zeit in fast allen Regenwaldgebieten betreibt. Sie haben ein solches Ausmaß erreicht, dass wahrscheinlich einige Jahrhunderte notwendig wären, damit sich die ursprüngliche natürliche Vegetation einigermaßen erholen könnte.

Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts beschleunigte sich in verschiedenen Regionen der Welt die großflächige Abholzung von Regenwaldflächen rasant. Das Amazonasgebiet etwa wurde zum Brennpunkt des Interesses der Weltöffentlichkeit. Dort wurde der Regenwald größtenteils für riesige Rinderfarmen und ehrgeizige Regierungsprogramme wie die Kolonisierung entlang der Transamazônica gerodet. In Südostasien, z. B. in Neuguinea, wird von japanischen Firmen die Abholzung ähnlich radikal betrieben. Die Verwendung des geschlagenen Holzes zu einfachen Verpackungs- und ähnlichen Zwecken steht allerdings im krassen Gegensatz zum tatsächlichen Wert dieser unberührten Waldgebiete und ist symbolisch für die ganze Regenwaldproblematik: Die kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen kapitalkräftiger Fremdfirmen entscheiden über den Erhalt von Regenwaldbeständen, die in sehr langen Zeiträumen entstanden sind, deren Wert für die Menschheit noch nicht einmal abschätzbar ist und die überhaupt nicht oder nur in sehr langen Zeiträumen wiederherstellbar sind. Häufig werden die Firmen von den Regierungen der jeweiligen Länder unterstützt, in denen der Regenwald vorkommt, doch können diese ebenfalls nur kurzzeitige Vorteile aus solchen Wirtschaftsbeziehungen ziehen. Auch die mangelnde Aufklärung der lokalen Bevölkerung, die oft zu Billigstlöhnen an der Abholzung mitwirkt, spielt bei der Problematik eine entscheidende Rolle.

Die Gesamtfläche der Abholzung tropischer Wälder lässt sich schwer beziffern, wahrscheinlich liegt sie bei rund 100 000 Quadratkilometern jährlich, die zerstört oder ernsthaft geschädigt werden. Einige einzigartige Regenwälder wurden bereits fast vollständig zerstört. Beispielsweise sind heute nur noch weniger als 2 Prozent des ursprünglichen subtropischen Regenwaldes an der Atlantikküste Südostbrasiliens erhalten. Viele Gebiete im tropischen Westafrika unterliegen bereits seit langer Zeit einer solch intensiven Nutzung ihrer Edelhölzer, dass von ihnen nur noch wenige intakte Reste existieren.

Der Verlust der biologischen Diversität und die globale Erwärmung aufgrund des erhöhten Kohlendioxidausstoßes wurden weltweit zu viel diskutierten Themen, die mit der Zerstörung des Regenwaldes in Zusammenhang stehen. Heute wird jedoch immer klarer, dass der Rückgang des Artenreichtums langfristig wohl das größere Problem darstellt.

Die Zerstörungsrate des tropischen Waldbestands durch Brandrodung und Abholzung erreichte Mitte der neunziger Jahre die hohen Werte der siebziger Jahre, nachdem sie zuvor mehrere Jahre zurückgegangen war. Dies ergab 1996 eine Auswertung von Satellitenbildern der brasilianischen Amazonasregion. Auch Beobachtungen der Entwicklung des afrikanischen und asiatischen Regenwaldes zeigen den alarmierenden Rückgang der Waldflächen in den inneren Tropen. Nach Angaben der Vereinten Nationen geht die Fläche des tropischen Regenwaldes weltweit derzeit jährlich um etwa 0,8 Prozent zurück.

Durch die computergestützte Auswertung digitaler Satellitenaufnahmen wird neben dem Ausmaß des Verlustes von Waldflächen auch die zeitliche Entwicklung dieses Vorgangs veranschaulicht. In den siebziger Jahren wurden erstmals Möglichkeiten der Fernerkundung in den Tropen angewandt. Die erstellten Aufnahmen waren jedoch aufgrund der häufig dichten Bewölkung in den äquatornahen Gebieten nur begrenzt aussagekräftig. Die Strahlung, die vom 1991 aktivierten Radarsatellit ERS1 ausgesendet wird, ist jedoch in der Lage, die Wolkendecke zu durchdringen und dadurch auswertbare Bilder zu liefern. Auf diesen sind die Eingriffe des Menschen in das Ökosystem tropischer Regenwald deutlich erkennbar. Gerodete Flächen, Verkehrswege und Agrargebiete heben sich im Farbton von den noch bewaldeten Regionen deutlich ab.

Auf diese Art wurden im Auftrag der Universität München Waldbestände auf dem indonesischen Teil der Insel Borneo kontrolliert. Die Auswertung der Bilder zeigt, dass dort die u. a. vom World Wide Fund for Nature (WWF) propagierte Strategie der nachhaltigen Waldbewirtschaftung unterlaufen wird, auch wenn die indonesischen Behörden von „selektiver Waldnutzung” mit Abholzung nur weniger Bäume pro Hektar Waldfläche sprechen. Diese Strategie beinhaltet als Ziele neben dem Einschlag von Nutzholz auch den Erhalt der individuellen Artenzusammensetzung oder den Schutz von Wasser und Boden. Wie Forscher des Woods Hole Research Center in Massachusetts 1999 in der Zeitschrift Nature berichteten, erfassen Satelliten nur vollständig abgeholzte Flächen, nicht jedoch diejenigen, wo der Baumbestand lediglich ausgedünnt wurde. Im Amazonas-Regenwald, dessen Zerstörungen durch Holzfäller (also ohne Waldbrände) allein für 1998 aufgrund von Satellitenaufnahmen mit 17 000 Quadratkilometer beziffert wurden, gingen in Wirklichkeit pro Jahr 10 000 bis 15 000 Quadratkilometer mehr verloren als angenommen.

Das ökologische Gleichgewicht ist auf den entwaldeten Flächen nachhaltig geschädigt. Um den dramatischen Rückgang der von tropischem Regenwald bedeckten Fläche zu bremsen, startete der WWF in Verbindung mit der Holzindustrie eine Initiative zur Einführung eines Zertifikats für Tropenholz, das in nachhaltiger Waldbewirtschaftung gewonnen wurde. Das so genannte FSC-Label (Forest Stuartship Council) soll an Tropenwaldnutzer vergeben werden, welche die Strategie der nachhaltigen Waldbewirtschaftung berücksichtigen. Regelmäßige Kontrollen auch durch Auswertung von Satellitenbildern sollen die Einhaltung der Vorgaben gewährleisten.

Im November 1998 wurden die Ergebnisse des europäischen Forschungsprojekts „Tropical Ecosystem Environment Observation by Satellite” (TREES), an dem sich Forstwissenschaftler aus verschiedenen Ländern beteiligt hatten, veröffentlicht. Detaillierte Auswertungen von Satellitenbildern veranlassten die Forscher zu dem Schluss, dass der Schädigungsgrad des Baumbestandes tropischer Regenwälder so weit fortgeschritten ist, dass man sich auf den Schutz noch unberührter Wälder konzentrieren sollte. Der Studie zufolge gilt es, diese Waldgebiete dem Blickwinkel ökonomischer Interessen zu entziehen. Diese Sichtweise wird auch durch einen 1999 in Nature erschienenen Bericht zur Keimfähigkeit von Baumsamen gestützt. Danach keimen Baumsamen auf kleinen Restflächen von Regenwäldern drei- bis siebenmal schlechter als in großen, natürlichen Gebieten, weil Restgebiete unter Randeffekten leiden: Sie sind im Vergleich zu ausgedehnten Arealen heißer, trockener und stärker lichtdurchflutet; außerdem kommt es auf kleinen Flächen häufiger zu Inzucht.

Das Wissen über die Vielfalt des Regenwaldes und seiner Ökologie ist jedoch noch zu gering, um das notwendige politische und gesellschaftliche Bewusstsein zu schaffen, das notwendig ist, um die fortgesetzte Ausrottung der Arten zu verhindern. Seit den siebziger Jahren wurden eine Reihe nationaler und internationaler Organisationen gegründet, die sich mit dem Schutz der Regenwälder beschäftigen. Darüber hinaus wird intensiv nach wirtschaftlichen Alternativen gesucht, um die weitere massive Abholzung zu verhindern, zugleich aber eine nachhaltige Nutzung der Regenwälder zu ermöglichen. Von der Lösung dieser Frage wird der Erhalt der noch verbleibenden Regenwälder entscheidend abhängen.
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