Algerien - Ein Land der Sahara
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| Einleitung | ||||||||||||||
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Algerien (französisch Algérie), amtlich Demokratische Volksrepublik Algerien, Republik im Nordwesten Afrikas. Algerien grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Osten an Tunesien und Libyen, im Süden an die Republik Niger, Mali und Mauretanien, und im Westen an Marokko und Westsahara. Die Gesamtfläche des zum Maghreb gehörenden Landes beträgt 2 381 740 Quadratkilometer; damit ist Algerien nach der Republik Sudan der zweitgrößte Staat in Afrika. |
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| Die
Bevölkerung des Landes besteht fast ausschließlich aus Arabern,
Berbern sowie Menschen gemischt arabisch-berberischer Herkunft, wobei
die Araber den weitaus größten Bevölkerungsanteil stellen
(etwa 70 Prozent). Im äußersten Süden des Landes finden
sich außerdem einige schwarzafrikanische Bevölkerungsgruppen.
Unter den Berbern stellen die wichtigsten Gruppen die Kabylen (im westlichen
Tellatlas), die Mozabiten oder Mzabiten (im so genannten Mzab, der Region
um die Stadt Ghardaia) und die Tuareg (in der südlichen Sahara) dar.
Bis 1962 lebten außerdem ungefähr eine Million europäischer
Siedler, meist Franzosen, und eine Gruppe von 150 000 einheimischen Juden
in Algerien. 90 Prozent dieser Gruppe emigrierten jedoch, nachdem das
Land 1962 für unabhängig erklärt worden war, so dass Ende
der achtziger Jahre nur noch circa 60 000 Europäer im Land waren.
In den neunziger Jahren kam es zu weiteren Abwanderungen aufgrund von
Anschlägen islamischer Fundamentalisten, die sich gezielt gegen nichtarabische
Ausländer richteten. Algerien hat 32,3 Millionen Einwohner (2002). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 14 Einwohnern pro Quadratkilometer, sie ist jedoch extrem ungleich verteilt; im Küstengebiet, wo die Hälfte der Bevölkerung lebt, beträgt sie ungefähr 100, in der Sahara dagegen nur fünf Einwohner pro Quadratkilometer. Das Bevölkerungswachstum beträgt 1,7 Prozent. 39,7 Prozent der Algerier leben auf dem Land. |
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| Physiche Geographie | ||||||||||||||
| Algerien
lässt sich in vier Naturräume mit ausgeprägter West-Ost-Zonierung
gliedern. Hinter der maximal 100 Kilometer breiten, durch Buchten reich
gegliederten Küstenebene am Mittelmeer erstreckt sich nach Süden
der steil abfallende Tellatlas (siehe Atlasgebirge) mit einer mittleren
Höhe von etwa 1 500 Metern. Die Tal- und Beckenlandschaften dieser
Region stellen das ackerbauliche Zentrum Algeriens dar. An den Hängen
des Tellatlas entspringt der ins Mittelmeer mündende Chélif,
mit 725 Kilometern der längste Fluss Algeriens. Südlich des
Tellatlas gibt es dagegen keine ständig wasserführenden Flüsse
mehr. Die sich im Süden und Südwesten anschließende Region ist das Hochland der Schotts (Chotts, Shebchas), eine Hochebene mit mehreren Salztonebenen. In diesen Becken sammelt sich in der Regenperiode Wasser und bildet große, seichte Seen; wenn diese in der anschließenden Trockenperiode verdunsten, bleibt salzhaltiger Ton zurück, der beim Trocknen reißt und große, kantige Schollen bildet. Südlich des Hochlandes der Schotts erstreckt sich das Massiv des Saharaatlas. In diesem annähernd parallel zum Tellatlas verlaufenden Naturraum werden maximale Höhen von rund 2 300 Metern erreicht. An den Saharaatlas schließt sich nach Süden die vierte und bei weitem größte Region an, die algerische Sahara, die über 90 Prozent des Landes einnimmt. Ein Großteil dieser Region ist von weiten Kies- und Geröllebenen bedeckt. Einen flächenmäßig deutlich geringeren Anteil nehmen Sandwüsten ein, wie etwa die Sanddünengebiete des Östlichen und Westlichen Großen Erg, des Erg Iguidi und des Erg Chech. Markante Landschaften im Bereich der algerischen Sahara sind die Plateaus Tassili NAjjer und Tademaït sowie große Gebirgsstöcke, insbesondere der Ahaggar (Hoggargebirge) im Süden des Landes. Hier befindet sich mit dem 3 003 Meter hohen Tahat die höchste Erhebung Algeriens. |
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| Klima | ||||||||||||||
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Norden des Landes prägt mediterranes Klima mit warmen, trockenen
Sommern und milden, regenreichen Wintern. Hier werden mit bis zu 1 000
Millimetern die höchsten Jahresniederschläge des Landes verzeichnet.
Die durchschnittlichen Temperaturen liegen zwischen 25 °C im Sommer
und 11 °C im Winter. Im Sommer tritt hier häufig ein sehr heißer,
trockener Wind auf, der Schirokko (arabisch Chehili); von seinem Ursprungsgebiet
in der Sahara weht er zum Mittelmeer hin. Nach Süden wird das Klima zunehmend kontinentaler. Im Hochland der Schotts liegen die mittleren Monatstemperaturen zwischen 30 °C im Sommer und um 0 °C im Winter. Die Jahresniederschläge erreichen hier im Mittel 350 Millimeter. Die Nordflanke des Saharaatlas ist feuchter, an den Südhängen vollzieht sich der Übergang zum heißen und trockenen Klima der Sahara, das von großen täglichen Temperaturunterschieden geprägt wird. In den Sommermonaten können in der algerischen Wüste 45 °C überschritten werden, die mittleren Jahresniederschläge liegen in den trockensten Regionen unter 50 Millimetern. |
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| Flora und Fauna | ||||||||||||||
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Nach
Erlangen der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1962 stieg die
Bevölkerung Algeriens sprunghaft an, was die Umwelt schwer belastete.
Die größten ökologischen Bedrohungen sind Entwaldung,
Buschbrände, die Umwandlung der Steppen in Ackerland sowie die
Bodenerosion aufgrund von Überweidung und falschen Anbaumethoden.
Die Küstengewässer des Mittelmeeres sind an vielen Stellen
verschmutzt. Vor allem Feuchtgebiete, darunter auch Teile eines jüngst
entstandenen Nationalparks, sind Umweltzerstörungen ausgesetzt.
In der Küstenregion und in den unteren Bereichen des Tellatlas herrscht mediterrane Vegetation vor. Wälder fehlen aufgrund der jahrhundertelangen Abholzung und Beweidung weitgehend und sind heute durch immergrüne Strauchvegetation ersetzt. Nur in den Berglagen des Tell- und Saharaatlas sind Wälder in nennenswertem Ausmaß noch zu finden (0,9 Prozent der Gesamtfläche). Sie sind von Nadelgehölzen wie der Aleppokiefer (Pinus halepensis) und der Atlas-Zeder (Cedrus atlantica) beherrscht; daneben kommen verschiedene Eichenarten, darunter auch die Korkeiche vor, aus deren Rinde man Kork gewinnt. In den Ebenen und südlich des Tellatlas wird die Landschaft weitgehend von lückenhafter Steppenvegetation aus Espartogras (Stipa tenacissima, auch Halfagras genannt) und niedrigen Kräutern und Sträuchern geprägt, die für die Beweidung mit Ziegen oder Dromedaren genutzt wird. Die Pflanzenwelt der Sahara ist großteils auf die Gebiete mit einer einigermaßen guten Wasserversorgung konzentriert. In Grundwassernähe oder entlang zeitweise wasserführender Flüsse (Wadis) sowie an Wasserbecken in den Gebirgen finden sich lockere Bestände aus Akazien, Jujube und anderen Gehölzen, untersetzt mit dürreresistenten Gräsern. Insgesamt wurden in Algerien 3 140 Pflanzenarten nachgewiesen, darunter 250 endemische Spezies. Die spärliche Vegetation des Landes bedingt, dass vor allem im Süden nur eine geringe Anzahl von Tieren vorkommt, die allerdings hochspezialisiert und an das Wüstenleben angepasst sind. Hier leben Schakale, Fenneks, Gazellen, Wildesel, Klippschliefer und Kleinsäuger wie Wüstenspringmäuse. Die Vogelwelt ist u. a durch Strauße, Geier und Flughühner repräsentiert; zu den Reptilien gehören verschiedene Vipernarten. Ungefähr 24 Prozent des Landes sind offizielle Schutzgebiete, wobei die Nationalparks jedoch nur 2,5 Prozent (1997) der Gesamtfläche ausmachen. Der weitläufige Tassili NAjjer-Nationalpark im östlichen Landesteil nimmt einen Großteil dieser Fläche ein. Algerien arbeitet mit anderen Staaten zusammen, um das Mittelmeer vor weiterer Verschmutzung zu schützen, die Zerstörung gefährdeter Lebensräume zu verhindern und mehr als 5 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz zu stellen. Das Land hat die Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete ratifiziert, gehört der World Heritage Convention an und verfügt über zwei offizielle Biosphärenreservate im Rahmen eines Programms der UNESCO. |
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Algier ist die Hauptstadt, der wichtigste Hafen und die größte
Stadt des Landes (1,52 Millionen Einwohner). Weitere wichtige Städte
sind Oran (655 852), ein bedeutendes Handelszentrum, Constantine (462
187), Zentrum eines Viehzucht- und Getreideanbaugebiets und Universitätssitz,
Annaba (306 000), wichtiger Hafen und Industriezentrum, Blida (171 000),
Sétif (170 000) sowie Tamanrasset (96 000), Verkehrs- und Handelsmittelpunkt
der Sahararegion.
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Die
Amtssprache ist Arabisch und wird von etwa 85 Prozent der Bevölkerung
gesprochen; der Großteil der übrigen Bevölkerung spricht
daneben oder ausschließlich verschiedene Berbersprachen. Französisch
dient immer noch als Verkehrssprache und wird von vielen gebildeten
Algeriern in Wort und Schrift beherrscht. Der Islam in seiner sunnitischen
Ausprägung ist die offizielle Staatsreligion, zu der sich die überwiegende
Mehrheit (99 Prozent) der Bevölkerung bekennt. Immigranten aus
Europa, Südamerika und dem Nahen Osten bilden eine christliche
Minorität.
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| Das
Land verfügt über eine allgemeine Sozialversicherung für
Arbeitnehmer, jedoch nicht über eine Arbeitslosenhilfe. Die Regierung
unterstützt soziale Fürsorgeprogramme zur finanziellen Unterstützung
von Alten, Bedürftigen, Behinderten und Hinterbliebenen. Staatlich
gefördert werden weiterhin die nicht in der Landwirtschaft tätigen
Arbeiter, Agrarreformen und der soziale Wohnungsbau. Die Arbeitslosenquote
beträgt 28,7 Prozent (1997); besonders stark sind junge Menschen
unter 25 Jahren von der Arbeitslosigkeit betroffen. Seit 1974 wird die medizinische Versorgung allen algerischen Bürgern kostenlos zur Verfügung gestellt. Obwohl es in den letzten Jahren zu beträchtlichen Verbesserungen im Gesundheitswesen gekommen ist, bleibt die medizinische Versorgung immer noch unbefriedigend, vor allem in ländlichen Gebieten. Auf einen Arzt kommen 1 271 Einwohner. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 68,9 Jahren für Männer und 71,7 Jahren für Frauen (2002). Die Kindersterblichkeitsrate beträgt 39 Sterbefälle pro 1 000 Lebendgeburten. Trotz des starken Anstiegs der Einwohnerzahl gehört die Bevölkerungswachstumsrate in Algerien zu den niedrigsten in Afrika, sie ist in den letzten Jahren stetig gesunken. In den vergangenen Jahrzehnten ist die durchschnittliche Lebenserwartung gestiegen und die Kindersterblichkeitsrate kontinuierlich zurückgegangen. Nachdem die Cholera unter Kontrolle gebracht wurde, sind die Gesundheitsbehörden bemüht, auch andere epidemische Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose einzudämmen. Weitere gesundheitliche Probleme sind die Unterernährung und Augenkrankheiten wie Bindehautentzündung. Frisches Wasser ist in Algerien knapp, wobei der Verbrauch pro Kopf jedoch gering ist und die Mehrheit der Bevölkerung in urbanen und ruralen Gebieten über sichere Wasserquellen verfügt. |
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| Verwaltung und Politik | ||||||||||||||
| Algerien ist seit der Unabhängigkeit von 1962 eine Republik. Bei der Volksabstimmung von 1976 wurde eine Nationale Charta angenommen, in der sich die Bevölkerung zum Sozialismus unter Leitung der staatlichen Einheitspartei Front de Libération Nationale (FLN) bekannte. Nach der Verfassungsänderung von 1989 wurden erstmals auch oppositionelle Parteien zugelassen. | ||||||||||||||
| Wirtschaft | ||||||||||||||
| Algerien ist aufgrund bedeutender Rohstoffvorkommen eine der reichsten Nationen Afrikas. Die Landwirtschaft spielt zwar eine abnehmende, aber beschäftigungspolitisch immer noch bedeutende Rolle hier arbeiteten Anfang der neunziger Jahre rund ein Fünftel aller Erwerbstätigen. Dagegen hat der Dienstleistungssektor in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen; hier sind 43 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt. Seit dem Ende der sechziger Jahre führt die Regierung Industrialisierungsprogramme und Agrarreformen durch und ist bemüht, die industrielle Entwicklung des Landes voranzutreiben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 53 Milliarden US-Dollar (2000; Dienstleistungen 31,2 Prozent, Industrie 60,3 Prozent, Landwirtschaft 8,6 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 1 750 US-Dollar. | ||||||||||||||
| Währung und Bankwesen | ||||||||||||||
| Die Landeswährung ist der Algerische Dinar (= 100 Centimes). Die Zentralbank Algeriens leitet alle währungspolitischen Entscheidungen. 1966 wurden alle ausländischen und privaten Banken verstaatlicht. | ||||||||||||||
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